Titel: Wirecard: Soll ich Schadensersatzansprüche verkaufen?

Wirecard: Soll ich Schadensersatzansprüche verkaufen?

28.05.21

Während die Aufklärung um Wirecard durch die Staatsanwaltschaft und den Untersuchungsausschuss andauert, erhalten Wirecard Aktionäre ein Angebot über Hausbank Schadensersatzansprüche verkaufen zu können:

Sehr geehrter Herr ***,
als Aktionär der WIRECARD AG erhalten Sie die Möglichkeit, ein Verkaufsangebot zur Abtretung Ihres
Schadensersatzanspruches abzugeben. Dieses Angebot gilt für Aktionäre, die ihre Aktien zwischen dem 01.01.2015 und 18.06.2020 erworben und mit dieser Investition einen Verlust erlitten haben, unabhängig davon, ob sich die Aktien noch im Bestand befinden oder bereits veräußert wurden.
Das Angebot findet zu folgenden Bedingungen statt:
Verkaufsangebot je Aktie max. 10% des Schadensersatzanspruches
Käufer (Auffordernder) SPRINGTIME PRIVAT EQUITY GMBH
Restriktionen das Angebot sowie die auf dieser Basis abgeschlossenen Verkaufsaufträge unterliegen
ausschließlich deutschem Recht weitere Informationen www.springtime-pe.com↗ und www.bundesanzeiger.de
Der Auffordernde wird die für ihn günstigsten Angebote annehmen. Sofern Verkaufsangebote von mehr als EUR
1.000.000,00 des identischen Preises eingereicht werden, werden die Annahmeerklärungen in der Reihenfolge des
Eingangs berücksichtigt.


Wenn Sie ein Verkaufsangebot abgeben möchten, muss Ihre Annahmeerklärung bis spätestens 21.05.2021, 18:00 Uhr vorliegen bei:
SPRINGTIME PRIVAT EQUITY GMBH, Seeheldenstr. 6, CH-9404 Rorschacherberg/Schweiz

Anschreiben an Betroffene

Konkret möchte also eine Schweizer Firma Wirecard Schadensersatzansprüche aufkaufen und hierfür bis zu 10% des Schadens bezahlen. Schaden ist der Wertverlust, den Aktionäre erlitten haben oder der Einkaufspreis der Aktien, je nachdem ob die Akten noch vorhanden oder verkauft sind.

Die Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen oder nicht, ist eine Höchstpersönliche. Die Entscheidung ob man “die Taube auf dem Dach oder den Spatz auf der Hand” annehmen möchte, ist nicht allgemein zu beantworten. Fakt ist, dass sich die Ermittlungen hinziehen und am Ende das Streiten um das Recht Geld kosten wird. Gutes Geld, das man dem Schlechten hinterherwerfen wird (was eine Klage kostet, können Sie zum Beispiel hier↗ berechnen).

Klagen auf Schadensersatz gegen Wirecard kostet viel Geld

Bei einem Schaden von 10.000 EUR kostet eine Klage knapp 2.500 EUR an eigenen Anwalts- und Gerichtskosten. Verliert man das Verfahren, beträgt der weitere Schaden mindestens knapp 5.000 EUR. Bei mehreren Instanzen vervielfacht sich dieser Betrag. Andererseits sind 1.000 EUR oder 100 EUR auch keine wirkliche Schadenskompensation. Ein Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?

Angebot spricht dafür, dass Wirecard Schadensersatz erfolgreich durchgesetz werden kann

Die Springtime Privat Equity würde keine Angebote abgeben, wenn sie nicht überzeugt wäre, dass Schadensersatzansprüche mit Erfolg umgesetzt werden können. Schon heute deutet sich ja auch eine Mitverantwortlichkeit der Wirtschaftsprüfer von EY an↗. Die ersten Klagen werden vorbereitet. Aber auch die Verantwortlichkeit der Bafin oder der Politik, was bei Amtshaftungsansprüchen eine Rolle spielen könnte, ist noch nicht vom Tisch. Der Insolvenzverwalter prüft zudem die Rückforderung von Dividenden↗.

Wir raten daher davon ab, panisch Angebote anzunehmen. Die Entscheidung muss gut durchkalkuliert sein. Möchte man den langen Weg durch mehrere Instanzen gehen? Kann man sich eine Klage leisten? Bin ich bereit, einen noch höheren Schaden zu riskieren? Der Abgasskandal hat gezeigt, dass insbesondere diejenigen, die sich selbst gekümmert haben, wirtschaftlich am Besten ausgestiegen sind. Sammelklagen hingegen haben nicht unbedingt den besten wirtschaftlichen Erfolg gebracht.

Fazit

In die Waagschale zu werfen ist aber auch die Frage der nervlichen Belastung. Es ist heute noch nicht absehbar, inwieweit die Ermittlungen zu verwertbaren Ergebnissen führen. Im Dieselskandal wurden Anklagen auch erst nach Ablauf aller Verjährungsfristen zugelassen.

Letztlich wird die Frage sein, in welcher Höhe tatsächlich Angebote abgegeben werden. In der momentanen Situation der unklaren Beweislage raten wir ab, das Angebot anzunehmen. Die weitere Entwicklung sollte jedoch aufmerksam beobachtet werden. Wirecard Schadensersatzansprüche kann wahrscheinlich auch später noch verkaufen.


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