Scalping – Betrug und Abzocke mit Kursmanipulation ?

04.10.11

Der Ausdruck Scalping hat seinen Ursprung im englischen und bedeutet soviel wie skalpieren. Im Bereich Wertpapiergeschäft / Aktie werden mit sogenannten Pennystock-Aktien  durch betrügerische Organisatoren Kursmanipulationen vorgenommen, die unter Anlegern Schäden in Millionenhöhe verursachen.

Die Vorgehensweise dieser Form des Betrugs an Verbrauchern ist recht simpel. Die Abzocker gründen Briefkastenfirmen, bevorzugt im Ausland. Die Präsidenten/ Direktoren wählen gezielt einen Börsenplatz für die Listung der wertlosen Aktien von denen sie wissen, dass nur geringe Anforderungen und Prüfungen des Emittenten stattfinden. Den Großteil der Aktien halten die Abzocker im eigenen Depot. Die einzig für den geplanten Betrug gegründeten Unternehmen firmieren in der Regel als amerikanische Inc. (Incorporated) oder als britische PLC (Public Limited Company). Oft sind diese Briefkastenfirmen ohne operatives Geschäft.

Sind diese Vorbereitungen getroffen, werden im nächsten Schritt Haushalte ohne Genehmigung (Cold Calling) angerufen. Vorbereitend zu der verbotenen Telefonakquise werden im Vorfeld oft sogar gezielt Pressemitteilungen, Fax- und eMail-Spamming mit inhaltlich selbst verfassten Positivmeldungen zur eigenen Pennystock-Aktie von den Betrügern publiziert. Selbst fingierte Börsenbriefe, Newsletter und Analystenkommentare kommen zum Teil zum Einsatz. Mit Schlagworten wie „1000% Kurs-Chance!“, „Sichere Anlageempfehlung – Diese Aktie jetzt kaufen!“ und „Garantierter Gewinn in 3 Monaten!“ wird die eigene Aktie empfohlen.

Den willkürlich angerufenen Konsumenten werden diese fingierten Meldungen zur Unterstützung des telefonischen „Verkaufsgesprächs“ zur Kenntnis gebracht. Für den unerfahrenen, teilweise sogar für erfahrene Anleger muß der Eindruck entstehen, es bietet sich gerade das Geschäft des Lebens an. Immer wieder lassen sich Verbraucher von Versprechen einer hohen Rendite blenden und fallen auf den Betrug herein. Die hochgelobte aber wertlose Aktie wird gekauft und – der Aktienkurs steigt!

Dies ist die Absicht der Abzocker und wesentlicher Teil des an den Anlegern geplanten Betruges. Je mehr neue Käufer durch die massive, teilweise aggressive Telefonakquise sich finden, desto höher steigt der Kurs und bestätigt die zuvor eigens fingierten veröffentlichen Pressemeldungen der Abzocker. Die Börse registriert ein rasch zunehmendes Interesse an der Pennystock-Aktie, der Kurs steigt weiter. Allerdings hat diese Entwicklung gleich zwei Haken.

Die Kurssteigerung erfolgt künstlich, man nennt das auch pushen des Aktienkurses. Diese Kurssteigerung ist gezielt gesteuert durch die Organisatoren des Betruges. Die Abzocker leiten nun den letzten Schritt der Abzocke ein.

Zahlenbeispiel: Die Organisatoren der hier geschilderten Marktmanipulation bzw. Kursmanipulation halten die eigenen wertlosen Aktien zum Null Tarif in Depots. Die künstlich generierte Nachfrage an der Aktie läßt deren Kurs auf z.B. acht Euro je Aktie steigen. Jetzt wird durch die Organisatoren ein erster Teil, z.B. 200.000 Stück,  der eigenen Aktien verkauft. Was einen Gewinn von 1,6 Millionen Euro ergibt. Dabei wird bewusst darauf geachtet dass durch den Verkauf der eigenen Aktienanteile der Kurs nicht zu sehr fällt, z.B. nicht unter sechs Euro.

Diese Kontrolle wird dadurch gewährleistet, dass die neu geworbenen Anleger (Käufer) sämtliche Kaufbelege an die vermeintlichen Vermittler übersenden müssen. Aus diesen gesammelten Kaufbelegen wird eine sogenannte Aktionärsliste erstellt. Die Schlüsselpersonen der Abzocke halten Kontakt untereinander, und geben an die Telefonverkäufer Anweisungen dazu, welche Anleger erneut kontaktiert und animiert werden sollen, in den durch die eigenen Verkäufe verursachten fallenden Kurs nach zu kaufen. Damit die für Nachkäufe ausgewählten Anleger diese tätigen gibt man am selbigen Tag noch schnell eine fingierte Pressemeldung mit positivem Inhalt heraus. Dieser Vorgang wird solange wiederholt bis der eigene Aktienbestand verkauft worden ist.

Leidtragende sind die neu geworbenen Anleger, die kaum eine Chance haben den Betrug rechtzeitig zu bemerken. Die meisten von ihnen kauften sogar in den steigenden Kurs. Mit gewollt einsetzendem Kursverfall pendelt sich der Aktienkurs meist auf das Kursniveau vor der Marktmanipulation ein – und damit weit unter dem Kaufkurs der meisten Anleger, die im Glauben waren, das Geschäft des Lebens zu machen. Den Betroffenen ist das Fell über die Ohren gezogen worden – Scalping. Mitglied sein heisst Rundum für Sie dazu sein!


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