Angebliches Erbe aus Spanien: Wir unterhielten uns mit den Betrügern

18.05.22

Wurden Sie auch schon von einem nigerianischen Prinzen kontaktiert? Diese Masche, auch bekannt als Nigeria-Scam, ist selbst nach über 20 Jahren nicht totzukriegen. Falls Sie nicht wissen, um welche Art Betrug es sich dabei handelt, hier eine kleine Zusammenfassung: es meldet sich via Fax/Mail/Brief ein Rechtsanwalt, ein Prinz oder ein zum Sterben verurteilter Selfmade-Millionär mit dem Hinweis, dass eine Unsumme an Geld ein neues Zuhause sucht. Ausgerechnet der Empfänger dieser Post soll der Glückliche sein, basierend auf einer absurden Begründung – wie eine Namensgleichheit.

Das steckt hinter dem Betrug mit dem eigentlichen Erbe

Wir warnten bereits vor einigen Jahren von dem Betrug mit dem angeblichen Millionenerbe, welches Verbrauchern schriftlich per Fax und Mail zugesichert wurde. Das Prinzip ist seit mehr als 20 Jahren unverändert – und wahrscheinlich auch weiterhin erfolgreich. Das besagte Erbe von mehreren Millionen US-Dollar (oder vielleicht auch Euro) soll überwiesen werden. So weit, so gut. Im Laufe der Unterhaltung wird den Empfängern unterbreitet, dass sie jedoch eine im Gegensatz zum Gewinn geringe Summe um die 1.000 EUR (Bearbeitungsgebühren) vorab überweisen sollen.

Nach der Zahlung dieser vermeintlichen Gebühr verschwinden die Rechtsanwälte auf Nimmerwiedersehen und sind nicht mehr erreichbar. Das Millionenerbe stellt sich als Lüge heraus und die gezahlte Gebühr, die für die „Bearbeitung“ nötig war, ist verloren.

Wichtiger Hinweis für alle: Gehen Sie nicht auf die Forderungen ein

Leider melden sich bei uns auch jene VerbraucherInnen, die von der Seriosität des Schreibens überzeugt sind. Nicht wenige haben sogar die geforderte Summe gezahlt und – wer hätte das gedacht – nie wieder etwas von den angeblich seriösen Rechtsanwälten gehört. Deshalb erneut und mit aller Dringlichkeit: Überweisen Sie niemals Geld an unbekannte Personen, Institutionen etc. im Internet – nur weil Sie danach gefragt wurden! Glauben Sie nicht die Lügen und fallen Sie nicht auf die Tricks der Betrüger rein – das sogenannte Social Engineering.

Erbschaft: Auch wir wurden kontaktiert

Nun hatten wir beim Verbraucherdienst vor kurzem eine sonderbare Email erhalten – eine Rechtsanwältin aus Spanien schrieb unserem Vorstand Frau Aline Krause, dass sie tatsächlich für ein massives Erbe in Höhe von 18.500.000 EUR auserkoren wurde. Wow! Wir nahmen aus Gründen der Dokumentation (und ein wenig Neugierde) Kontakt zu diesen vermeintlichen Rechtsanwälten auf und möchten an dieser Stelle den Schriftverkehr mit der Öffentlichkeit teilen.

Unser Gespräch mit der vermeintlichen Rechtsanwältin – in Bildern

Wir geben in diesem Beitrag die Antworten chronologisch und vereinfacht wieder, um die Lesbarkeit und das Verständnis zu gewährleisten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Gruß- und Abschiedsfloskeln und sonstige Informationen wie Signaturen entfernt wurden.

Beginnen wir mit dem Anschreiben der Rechtsanwältin Dra Eva Lasunción Abogada, welches wir direkt als Scan präsentieren:

Scan des Anschreibens für das angebliche Erbe in Spanien
Scan Anschreiben Spanien Erbe Mbabogadoss, 25.04.2022

Wir nahmen Kontakt zu der vermeintlichen Rechtsanwältin auf und nutzten die angegebenen Email-Adressen. Eine Antwort erhielten wir bereits 20 Minuten später.

Erste Mail von Verbraucherdienst // 26.04.2022
Erste Antwort von Eva Lasunción Abogada // 26.04.2022
Zweite Antwort von Eva Lasunción Abogada // 26.04.2022

Die Absender Adresse lautet MB Abogados Logo, Calle Franco, 6, El Viso – 28002 MADRID, Tel:+34 602 118 082 Fax: +34 919 012 063, Email: solicitor@mbabogadoss.com Email: lasuncionlaw@gmail.com. Es folgte eine zweite Mail, die lauter Anlagen beinhaltete. Wir checkten die Anlagen vorab, ob eine Virus-Infizierung vorliegt. Wichtig: Öffnen Sie keine Anlagen von unbekannten Absendern. Wir haben in diesem Fall vorab Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Dateien gefahrlos öffnen zu können. Bitte nicht nachmachen.

Anlagen der E-Mail für zukünftige „Erben“

Es wurden uns durch die Rechtsanwältin zahlreiche Unterlagen als Mail-Anhang zugesandt. Zu den Dokumenten zählen eine Vollmacht, ein Schreiben „Bank Leistung der Autorisierung“ (sic) und eine Sterbeurkunde für Walter Krause, Goldschürfer und Immobilienhai.

Vollmacht für Erbschein // April 2022
Bank Vollmacht // April 2022
Todesurkunde // April 2022
Dritte Mail von Eva Lasunción Abogada // 27.04.2022

Schade, wir dürfen nicht nach Spanien

Wir füllten eine der Anlagen aus und schickten diese zurück. Dazu verfassten wir einige Zeilen und stellten die Frage, ob wir ebenfalls nach Spanien reisen dürften. Die Reaktion der Rechtsanwältin fiel etwas kühl aus, aber lesen Sie selbst.

Zweite Mail von Verbraucherdienst // 27.04.2022
Vierte Mail von Eva Lasunción Abogada // 27.04.2022

Uns packte die Neugierde und wir stellten noch mehr Fragen, wie zum Beispiel zum spanischen Erbrecht. Wir erhofften uns eine ausführliche Stellungnahme und Details zum Ablauf. Stattdessen wurden wir mit einer banalen Antwort abgespeist mit dem erneuten Hinweis, dass die Zeit drängt.

Dritte Mail Verbraucherdienst // 28.04.2022
Fünfte Mail Eva Lasunción Abogada // 28.04.2022

Am Ende sollen wir zahlen

Scheinbar drängte die Zeit nicht gar so arg wie zuvor befürchtet, da wir tagelang nichts mehr von der angeblichen Rechtsanwältin aus Spanien hörten. Wir meldeten uns via Mail, um uns über den Stand der Dinge zu erkundigen. Nur einen Tag später erhielten wir eine unerwartete Nachricht: Scheinbar sollen wir Geld überweisen? Wir haben Fragen.

Vierte Mail Verbraucherdienst // 14.05.2022
Sechste Mail Eva Lasunción Abogada // 16.05.2022

Leider erhielten wir auf diese Email bislang keine Antwort. Sollte sich jedoch noch etwas tun, werden wir diese dargestellte Unterhaltung.

Fünfte Mail Verbraucherdienst // 16.05.2022

Wichtiger Hinweis zum Abschluss

Zum Abschluss möchten wir an dieser Stelle erneut darauf hinweisen, dass wir diesen Austausch zum Zweck der Dokumentation führten. Sicherlich haben wir uns hier und da einen scherzhaften Einwurf erlaubt, aber es soll nicht über den Ernst der Situation hinwegtäuschen, wenn betroffene Verbraucher viel Geld verlieren, weil Sie auf das Glatteis geführt wurden. Wir empfehlen ebenfalls, ggf. ältere Menschen im nahen Umfeld über diese Masche zu informieren, da laut unserer Erfahrung nicht selten Senioren von Betrügern angesprochen werden.

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Weiterführende Links:

Martin Bressers Madrid | Anwalt lockt per Fax mit einer großen Erbschaft
Angeblicher Lottogewinn aus Spanien | Anwaltskanzlei Vin and Pamela


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